ZOE Ausgabe 01/2011: Interview mit Edgar Schein «Lernen, den Wandel klug zu gestalten»

Die erste Ausgabe der Zeitschrift für Organisationsentwicklung dieses Jahrs beschäftigt sich wieder ein Mal mit dem Thema Wandel. Das Heft will einen besondere Schwerpunkt auf Wandelkommunikation legen. Die Beiträge hierzu, Erfahrungsberichte, überzeugen jedoch nur teilweise.

Interessant ist jedoch das Interview mit Edgar Schein. Es wurde aus Anlass des von ihm vor kurzem veröffentlichten Buch «helfen» geführt. Schein stellt in diesem Buch die hohe Schule des Helfens als wesentliche Führungsqualität dar. Im Interview in der ZOE spricht Schein sehr direkt und freimütig «…über die Fähigkeit von Führungskräften, ihre eigenen Einstellungen und diejenigen ihrer Mitarbeiter zu verändern, und über diejenigen Fälle, in denen auch Manager ihre Fähigkeiten deutlich verbessern müssen.».

Er adressiert die generelle Haltung der Führungskräfte im Wandel: zu sich als Mensch und zu den Menschen, die sie durch Veränderung führen und begleiten sollen. Sehr direkt und pointiert stellt er fest: «Ich finde es sehr erstaunlich, dass Führungskräfte auf sehr hoher Ebene den Kommunikationsprozess zwischen Menschen nicht verstehen, dass sie auch Gruppendynamiken nicht begreifen. Sie wissen nicht, wie man Sitzungen leitet, sie sind in einem erstaunlichen Maße inkompetent im zwischenmenschlichen Umgang.». Gleichzeitig adressiert er, dass Führungskräfte abgehoben vom Rest der Organisation sind, und wohl weder mit sich und  Mitarbeitenden in authentischem und wertschätzenden Kontakt sind. Laut Schein führt dies zu Haltungen in denen mehr Inkompetenz als Kompetenz entsteht, weil Führungskräfte das Wissen der Organisation im Sinne von gegenseitiger und wertschätzender interner Hilfe nicht nutzen.

In solchen Situationen empfiehlt er Führungskräften Hilfe zu suchen und wundert sich gleichzeitig, dass diese dies nicht tun. Die Begründung liefert er wieder freimütig nach: : « … sie betrachten sich selbst nicht als verletzlich, sie werden arrogant und übertrieben selbsticher». Die Kernfrage ist also, wie bleiben Führungskräfte mit sich und anderen in Kontakt. Und zwar so, dass daraus Entwicklung, Wachstum und Veränderungsfähigkeit entstehen kann – für sich selbst, für die Organisation und schlussendlich auch für die Gesellschaft.

Sein Fazit: Führungskräfte dürfen und müssen sich der Idee des Helfens bedienen. Wobei er die Idee des Helfens als fundamentales Prinzip menschlicher Beziehungen sieht. Sein Buch «helping» ist inspirierend, weil es den Menschen und menschliche Beziehungen in den Fokus des organisationalen Lebens rückt.

Informationen zum neuen Buch «helping» von Edgar Schein:

www.amazon.de > Edgar Schein: helping

Interview mit der Bertelsmann Stiftung über sein Buch «helping»

Informationen im Internet zur aktuellen Ausgabe:

www.zoe.ch > Change Management lernen, Wandelkompetenz ausbauen (Ausgabe 2011.1)